Teil 1 - Mustergliederung 'Lastenheft IT-Neubau'

Allgemeines

1.1 Aufgabenstellung

Die konkrete Aufgabenstellung war im vorliegenden Fall nicht ausformuliert. Sie wurde eigentlich nur aus den von den Nutzern formulierten Wünschen für das Raumprogramm hergeleitet. Es erschöpfte sich im wesentlichen in Flächenangaben für Funktionen. Dadurch hatte der Architekt schon im Wettbewerb keine konkreten Zuordnungsvorgaben für die Räume und ihre funktionalen Zusammenhänge. Das Ergebnis war, dass der angenommene Architektenentwurf weniger mit einer üblichen Überarbeitung begann als von vornherein mit einer Kompromisssuche.

Falsch war auch, dass weder in der Jury noch in der unternehmensinternen Entscheidergruppe über den Entwurfsankauf die Nutzer fachkundig vertreten waren. Sie waren nur anwesend. Stellten auch die eine oder andere Frage. Mangels eines eigenen Konzepts oder konkreter Vorstellung für die zukünftige IT- und TK-Welt im eigenen Hause hatte die Teilnahme mehr einen informativen Charakter. Typisch für die Mehrzahl der Bauvorhaben im Anschluss an einen Wettbewerb.

Andere Unternehmen holen sich als Bauherrenberater schon in dieser Phase externe Experten hinzu. Besser noch fahren die Bauherren, die sich vor dem Architektenwettbewerb nicht nur von einem Organisations­berater, sondern auch von einem IT- und IT-Sicherheitsplaner Vorgaben erarbeiten lassen und diese Experten dann auch zur Beurteilung der Planentwürfe ins Boot holen. Das spart viel Frust und noch mehr Geld.

1.2 Organisatorische Vorgaben

Die organisatorischen Vorgaben waren unzulänglich. Es gab einige Schemata, die ein Organisationsberater gezeichnet hatte. Doch lag dessen Wissensschwerpunkt auf der Raumbesiedlung und den organisatorischen Abläufen der personalabhängigen Strukturen, weniger auf denen von Informationstechnik, Telekommunikation und Infrastruktur.

1.3 Funktionale Zusammenhänge

Folglich waren die technisch-funktionalen Zusammenhänge nur unzureichend abgebildet. Das wurde darin deutlich, dass z.B. keinerlei Anforderungen an Schächte, Schachtverteilung, Trassenkonzepte etc. eingeflossen waren. Wie so oft waren allein schon die Schachtabmessungen aller abgegebenen Architektenentwürfe irreal und gingen bei den späteren „Reparaturplanungen" auf Kosten wertvoller Nutzflächen.

Den Wettbewerb hatte einer der großen deutschen Stararchitekten gewonnen. Sein Entwurf verlor etwa 9% seiner Büro- und IT-Nutzfläche durch nachträglich erforderliche Schächte, Trassenführungen und zusätzlich erforderliche Infrastrukturflächen. Eine überschlägige Schätzung des Betreibers mit dem Autor ergab, dass bei frühzeitiger Einbringung der Probleme in ein Lastenheft und damit schon in den Architektenwettbewerb die „Kompromissschäden", wie der Betreiber es nannte, nicht bei 6,8 Mio. DM anzusetzen gewesen wären, sondern sich Mehrkosten nur in Höhe von 1,5 bis 2 Mio. DM ergeben hätten. Und dies, ohne langfristig wirkende Nachteile, die in die Betriebskosten einfließen. Vielmehr wären die Betriebskosten etwa 15 % geringer als sie nunmehr sind.

Nur ein Beispiel: bereits während der Ausführungsplanung erweiterten sich durch Konzernentscheidungen die IT-Systeme und ihr Platzbedarf. Die vorgesehenen Reserveflächen, man hatte 20 % kalkuliert (viel zu wenig), waren schon verbraucht, bevor das Haus eine Baugenehmigung hatte. So wurde nach Reserven gesucht. Man wählte Teile der Garagen. Unzureichende Raumhöhen, Klimakanäle durch ungesicherte, ja gefährdende Bereiche waren die Folge. So wurde denn auch gebaut.

1.3.1 Raumbeziehungen

An einer systematischen Betrachtung der Raumbeziehungen hinsichtlich der Informationstechnik, der Telekommunikationstechnik sowie ihrer Infrastruktur- und Nebenflächen fehlte es fast ganz. Sie waren so rudimentär beschrieben, dass keiner der am Wettbewerb teilnehmenden Architekten in der Lage war, sie umzusetzen.

1.3.2 Standortunverträglichkeiten

Die Entwürfe kannten den Begriff der Standortunverträglichkeit nicht. So waren Läger mit erheblichen Brandlasten direkt unter den Serverparkflächen angesiedelt. Dehnungsfugen durchschnitten einen großen Rechnerraum (600 qm) und schaffen in einem Objekt mit Vollschutz (Hochhausverordnung, Sprinkleranlage) eine gute Ausgangslage für künftige Wasserschäden.

1.3.3 Erschließung und Personenströme

Auch die personelle Erschließung wurde mangels konkreter Zielvorgaben insbesondere Mangels Schutzzieldefinitionen „architektonisch" gelöst: offenes Haus, wer frech ist, kommt ohne aufgehalten werden zu können, bis an die IT-Bereiche. Stararchitekten verkaufen ihren Bauherren Denkmäler, keine Bürohäuser. Es ist modern, Eingangshallen zu bauen, die für Konzerte und Ausstellungen genutzt werden sollen. Damit kauft man sich aber zumeist Personenströme ein, die von diesen Häusern ohne ein durchgängiges Sicherheitskonzept nicht beherrscht werden.

1.4 Raumprogramm

Das Raumprogramm erstreckte sich in relativer Detaillierung auf ständige Arbeitsplätze, auf Geschosszahl und Geschossflächen, hinsichtlich der IT- und TK-Räume nicht jedoch auf Raumgrößen und optimale Abmessungen, und optimierte Stützenstellungen etc.

Die Konsequenz wird aus den gebauten Grundrissen erkennbar. Der Nachweis der geforderten qm gelingt. Aber wie sie geschnitten wurden, spottet jeder Beschreibung. Ein Serverraum ist 36 m lang, 9 m breit und hat 7 Stützen mit einem Durchmesser von 110 cm. Die Klimaräume, an der Schmalseite angeordnet, können ihre Luft nur mit einem aufwendigen Kanalsystem für Zu- und Abluft verteilen. Mehrkosten, Energieverschwendung und Materialschlacht, die wertvollen Platz beansprucht.

Auch die Raumhöhen sind unzureichend geplant worden. Bei diesem IT-Raum betrug die lichte Raumhöhe 2,90 m. Installations- und Klimaanforderungen sind kaum zu erfüllen, jedenfalls nicht zukunftsweisend und wirtschaftlich. In das Lastenheft hätten präzise Anforderungen gehört zu:

1.4.1 Raumgrößen

1.4.2 Optimale Abmessungen

1.4.3 Optimale Vorgaben für Stützenstellungen

1.4.4 Raumhöhen nach Nutzungszweck und unter Berücksichtigung der Doppelböden

1.4.5 Abgehängte Decken

Der Architekt hatte alle IT- und TK-Räume mit aufwendigen abgehängten Decken ausgestattet. Unnötig. Sie sind in der Regel für solche Räume nur zu empfehlen, wenn Unterzüge zur Luftströmung quer liegen.

1.4.6 Doppelbodenerfordernis

Das Erfordernis des Doppelbodens hätte mit dem Zusatz „Rampenfreiheit" verbunden werden müssen. Bei dem realisierten Objekt gibt es kaum eine IT- oder TK-Raumerschließung, die nicht über Rampen oder Stufen verfügt. Einfach grausig!!

1.5 Verkehrs- und Transportwege

1.5.1 Außerhalb des Gebäudes

1.5.2 Innerhalb des Gebäudes

Die Transportwege schließen in einem Lastenheft auch die Aufzüge mit ein. Lasten und nutzbare Aufzugsgrundfläche sowie die Türhöhe des Aufzuges sind darin zu definieren. Im ganzen Haus hat sich der Star-Architekt den Luxus von Türen mit 2,5 m Türstockhöhe geleistet. Sieht toll aus und kostete echtes Geld – alles Sondermaße. Die Lastenaufzüge für Rechenzentrum und Haustechnik messen hingegen knapp 2,1 m und haben eine Traglast von 1,2 t. Kaum geeignet für den späteren Austausch einer Kältemaschine.

1.6 Anpassung an zukünftige Entwicklungen

Häuser dieser Art und Nutzung müssen an zukünftige Entwicklungen angepasst werden können. Wir sprechen in diesem Zusammenhang gerne vom „mandantenfähigen" Haus. Mandant ist nicht nur der heute geplante Nutzer. Morgen kann das ein Fremdmieter sein. Auch dafür ist Vorsorge zu treffen:

1.6.1 Anpassungsfähigkeit Fläche

1.6.2 Anpassungsfähigkeit Infrastruktur

1.6.3 Anpassungsfähigkeit der Nutzungsart

 

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