Rechenzentrumsplanung oft unsystematisch
      und konzeptionsarm

Sicherheit in IT-Serverparks und Rechenzentren

Immer wieder wird der Ruf nach Planern und Beratern groß, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Serverparks, TK-Anlagen und komplexe Informationssysteme werden ohne spezialisierte Fachplaner oder zumindest ohne Fachberater abgewickelt. Und erst bei Inbetriebnahme treten die Mängel zutage, die eine frühe Einschaltung von Spezialisten mit überbetrieblicher Erfahrung verhindert hätten.

 Sicherheits-Management
Grundsätze der Sicherheitsplanung

Rainer A. H. von zur Mühlen,
VON ZUR MÜHLEN'SCHE GmbH,
Sicherheitsberatung – Sicherheitsplanung, Bonn
2006, 96 Seiten, € 19,40; ab 5 Expl. € 18,20; ab 10 Expl. € 17,–
Boorberg Verlag
ISBN 3-415-03687-1

Die RZ-Plan ist der Geschäftsbereich Ingenieurplanung der VON ZUR MÜHLEN'SCHE GmbH, der sich ausschließlich mit der Planung von Rechenzentren und Serverparks sowie ihrer Infrastrukturen im Interesse von Verfügbarkeit befasst und sich Sonderproblemen wie Betriebsverlagerungen von Rechenzentren, der Entwicklung, Planung und Inbetriebnahme von komplexen Leitzentralen etc. hochspezialisiert widmet. Die Gesellschaft blickt auf Planungserfahrung von über 500 Rechenzentren, Serverparks und Verwaltungsgebäuden mit komplexen IT- und TK-Strukturen zurück.

Beispiel

Bei einem sehr großen Dienstleistungsunternehmen wurde ein Neubau geplant, in dem auch die Informationsverarbeitung ein neues zu Hause erhalten sollte. Gleichzeitig wurde ein wesentlicher weiterer Anwendungsbereich von Großrechnertechnologie auf Client-Server-Architektur (CS) umgestellt. Der Großrechner wurde – aus gutem Grund – nicht vollständig aufgegeben. Die CS erhielten einen ihrer Bedeutung entsprechenden Stellenwert in der Raumplanung. Aber: So wie landläufig weiland Großrechenzentren geplant wurden, ging man auch hier vor:

Schon bei der Planung der Betriebsverlagerung, dem Umzug in die neuen Räume, stellte sich heraus, dass einiges schief gegangen war und viele Mängel traten zutage. Die Probleme betrafen viele Planungsfelder. Die Gravierendsten:

... und vieles andere mehr.

Die Planung war überwiegend von der eigenen Mannschaft gemacht worden. Es ist kein Vorwurf, wenn man betont, dass das Risiko der Betriebsblindheit zugeschlagen hatte. Wenn man Jahre in einer IT-Welt zugebracht hat, kennt man andere Lösungen höchstens aus der Literatur. Auch die IT-Sicherheitsplanung war von den eigenen Leuten im wesentlichen bestimmt worden. Auch hier gravierende Mängel. Moderne Problemlösungen waren übersehen, Chancen der Ökonomisierung nicht erkannt worden. Teilweise waren die Probleme überhaupt nicht erkannt, geschweige denn gelöst worden.

Alte IT-Struktur in neuen Räumen

In den alten Raumstrukturen waren organisatorische und strukturelle Probleme niemandem bewusst geworden oder man lebte einfach damit, hatte sich mit unveränderbarem abgefunden. Dadurch, dass die Nutzer in die Pflichtenhefte (eigentlich gab es nur eine Sammlung von Nutzerwünschen) nur ihre Erfahrungen und sich daraus ergebende Zukunftsanforderungen einbrachten, war das Konzept lückenhaft. Es war eine Abbildung der bisherigen betrieblichen Strukturen auf neue Räume.

Bei Neubauten, aber auch bei grundsätzlichen Strukturveränderungen, wie die CS-Architektur sie erfordert, sollte man daher unbedingt auf externe überbetriebliche Erfahrungen zurückgreifen und diese sollten IT-Organisationserfahrungen, System-Technikerfahrungen und tiefgehende IT-Sicherheitserfahrungen bündeln. Das ist auch der Grund, warum bei einer IT-Planung Informatiker, Organisatoren, Architekten, Brandschutzingenieure und , Nachrichteningenieure und Nachrichtenelektronikingenieure interdisziplinär eng zusammenarbeiten müssen, wenn IT-Sicherheit als ein Querschnittsthema verstanden wird (das sie auch ist). Nur so kann den verschiedenen Zielsetzungen, insbesondere auch der Verfügbarkeit von Daten und Systemen Rechnung getragen werden.

Der etwas unglückliche Nutzer hat Fachleuten der RZ-Plan GmbH das Ergebnis vorgestellt. Mit seinem Einverständnis haben wir anhand des Beispiels eine Mustergliederung für ein IT-Neubau-Pflichtenheft erarbeitet und nachstehend teilweise kommentiert veröffentlicht. Dabei ist anzumerken, dass es sich auf den Einzelfall bezieht, also Bereiche auslässt, die in dem Planungsprojekt irrelevant gewesen wären oder aus anderen Gründen – z.B. wirtschaftlichen – im Betrachtungsfall nicht hätten zum Zuge kommen können, in anderen Projekten aber sehr wohl beachtet werden müssten. Insofern ist es nicht auf jeden Planungsfall anzuwenden, kann aber einen Einblick in die notwendige konzeptionelle Tiefe geben.

Mustergliederung

Die Mustergliederung ist Bestandteil eines Handbuchs für Planungsvorgaben in der Informationstechnik, speziell für die Anwendung bei zentralen und dezentralen IT-/TK-Räumen.

1. Allgemeines
2. Flächen, organisatorisch-technische Beziehungen und Leistungsdaten
3. Rohbau
4. Ausbau
5. Technische Infrastruktur
6. Sicherheitstechnik

Diese umfangreiche Strukturierung erhebt keine Vollständigkeit hinsichtlich der Themenvielfalt anderer Beispiele, aber eine möglichst frühe fachgerechte Planung erspart unnötige Folgekosten und hohe Betriebskosten.